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UNSERE GESCHICHTE

Die Geschichte der

Bodelschwingh-Studienstiftung

Die Vorgeschichte

1905: Friederich von Bodelschwingh (1831–1910), der Sohn des preußischen Finanzministers in Berlin, gründete die Theologische Schule Bethel in Bielefeld, die als die erste evangelische Hochschule in Deutschland gilt. Dadurch ist Bodelschwingh der Gründer einer Tradition von freier theologischer Ausbildung geworden. Er fasste diese Tradition in seinem berühmten Zitat zusammen: „Es kann uns niemand eine größere Wohltat erweisen als die, dass er uns die Heilige Schrift lieb und verständlich macht.“ Er tat das auch gegen energischen Widerstand der damaligen Universitäten und Kirchenleitungen. Aber er tat es, um mitten in der Krise von Theologie und Kirche eine im Vertrauen auf die Heilige Schrift gegründete Ausbildung zu ermöglichen.

Zirka 1900: Das Haus an der Schwanallee 53―das heutige Bodelschwingh-Studienhaus―wird aufgebaut. Das Haus gehört kurz danach zur Schwesternschaft des Diakonissen-Mutterhauses Hebron. Das Diakonissen-Mutterhaus Hebron war 1908 in Marburg gegründet worden. Die lutherische Schwesternschaft, die ihre Wurzeln aus dem heutigen Polen hatte, hatte auf ihrem Höhepunkt 5.000 Schwestern.[1]

Die Krise der Bibel

1941: Am 21. April 1941 hielt Rudolf Bultmann (1884–1976) den Vortrag „Neues Testament und Mythologie“ auf einer Tagung der „Gesellschaft für evangelische Theologie“ in Frankfurt am Main. Aufbauend auf der Arbeit anderer, wie Johann Salomo Semler (1725–1791), David Friedrich Strauß (1808–1874), Hermann Reimarus (1857–1920), und Ernst Troeltsch (1865–1923), stellte Bultmann, Professor für Neue Testament an der Philipps-Universität Marburg, sein Entmythologisierungsprogramm dar. Er argumentierte, dass es sich bei den übernatürlichen Elementen, von denen die Bibel handelt, um Mythen handelt, die dem damaligen Weltbild geschuldet sind, während die eigentliche Botschaft davon zu trennen sei.

1961: Helmuth Frey, Paul Tegtmeyer und andere gründeten den „Bethelkreis."[2] Helmuth Frey war seit 1946 Dozent für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Bethel, die Bodelschwingh gegründet hat. Dort lehrte er seinen Ansatz der Pneumatischen Exegese, entgegen der sonst üblichen historisch-kritischen Exegese der Universitäten.

1963: Paul Tegtmeyer schieb einen offenen „Hirtenbrief“ an die Kirchen Deutschlands, indem er vor der liberalen Theologie warnte. Dieser Brief wurde von 63 Personen unterzeichnete, und insgesamt mehr als 100.000 mal gedruckt.[3]

1966: Der Bethelkreis benannte sich in „Bekenntnisbewegung ›Kein anderes Evangelium‹ (Galater 1,6)« um. Der neue Name „Bekenntnisbewegung“ erinnert gezielt an die „Bekennende Kirche.“ Über 20.000 Menschen kamen am 6. März 1966 zum „Bekenntnistag“ in der Dortmunder Westfalenhalle zusammen.

1967: Der Arbeitskreis für geistliche Orientierungshilfe im Theologiestudium (AgO) wird gegründet.

Die Entstehung der Bodelschwingh-Studienstiftung

1981: Die „Studienstiftung »kein anderes Evangelium«“ wird am 22. Juni 1981 in Frankfurt am Main gegründet.

1987: Die Studienarbeit in Marburg fing an. Die Studienarbeit begann mit einem Hauskreis in Marburg-Wehrda. Ab September 1987 haben manche von diesen Studenten Zimmer im Haus in der Schwanallee 53 gemietet.

1997: Harm Bernick begann seinen Dienst als Studienleiter, den er bis zu seinem Ruhestand in 2019 ausübte. Unter seiner Leiterschaft wurde das Kolleg für Gemeindedienst gegründet und weiterentwickelt, bis es ein deutschlandweites informelles Netzwerk geworden ist.

2004: Das Studienhaus an der Schwanallee wurde von der Bodelschwingh-Studienstiftung gekauft. Bis dahin gehörte es dem Diakonissen-Mutterhaus Hebron und war von der Studienstiftung gemietet.

2014: Es gab ein großes Sanierungsprojekt im Haus. Ein neues Dach und neue Fenster wurden installiert.

2022: Das neue Kolleg für Gemeindedienst ist veröffentlicht. Das neue Kolleg wird über eine Online-Lernplattform vertrieben.

[1] Fritz Mund, Theophil Krawielitzki: Ein Zeuge aus der neueren Erweckungs- und Diakoniegeschiche (Marburg: Franke, 1955), 65-74.

[2] Gregor Heidbrink, Hellmut Frey als Ausleger des Alten Testaments: Zur Tragfähigkeit seines Ansatzes Pneumatischer Exegese (Gießen: Brunnen, 2011), 50.

 

[3] Jörg Breitschwerdt, Theologisch konservativ: Studien zu Genesis und Anliegen der evangelikalen Bewegung in Deutschland (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2019), 577.